Mikrokristalle im polarisierten Licht fotografieren mit einem Makroobjektiv

Hallo liebe Freunde der Mikrokristalle,

in meinem letzten Blogbeitrag habe ich Kristalle im polarisierten Licht mit Hilfe eines 50 mm Normalobjektivs an einem Balgengerät fotografiert.
Man kann natürlich auch an Stelle eines Balgengerätes Zwischenringe benutzen. Die sind, wenn sie ohne Übertragung von Daten arbeiten, sehr preiswert.

Egal welches Objektiv wir mit Zwischenringen oder Balgengerät kombinieren. Für die Tauglichkeit ist der Abbildungsmaßstab von Bedeutung. Er beschreibt, um welchen Faktor ein Gegenstand vergrößert wird. Dabei bezieht er sich auf das Bild auf dem Sensor oder auf dem Film. Um ihn zu ermitteln muss man also die Maße des Sensors unbedingt kennen. So besitzt ein Vollformat-Sensor eine Höhe von 24 mm und eine Breite von 36 mm. Er hat also die gleichen Maße wie ein Kleinbildfilm.

Definiert wird der Abbildungsmaßstab als der Quotient aus Bildgröße (auf dem Sensor) und Gegenstandsgröße.

Abbildungsmaßstab = Bildgröße / Gegenstandsgröße

β = B / G

Es ist sehr nützlich, den Abbildungsmaßstab selber zu ermitteln. Das geht sehr einfach.

Ein Beispiel mit einer Sony Alpha 7 (Vollformat) mit 2 Zwischenringen 10 mm + 16 mm und Makroobjektiv ( Brennweite 60 mm + Adapter) soll die Sache erläutern.

Bestimmung des Abbildungsmaßstabes.

Das Objektiv wird auf die kürzeste Entfernung eingestellt. Fotografiert wird ein Zollstock oder ein anderes Zentimetermaß. Nach dem Scharfstellen wird die Länge des abgebildeten Zollstocks im Sucher abgelesen. Hier sind es, wie man sieht, 23 mm.  Somit beträgt die Gegenstandsgröße  G = 23 mm. Der Gegenstand füllt die Breite des Suchers und somit auch des Sensors voll aus. Also beträgt die Bildgröße 36 mm (Breite des Vollformat_Sensors).

β = B / G = 36 mm / 23 mm

Zähler und Nenner durch 23 dividiert ergibt:

β = 1,56 / 1

Gewöhnlich schreibt man, der Abbildungsmaßstab beträgt 1,56 : 1.  Der Zollstock wird also um das 1,56 fache vergrößert.

Ist der Abbildungsmaßstab bekannt, kann man z. B. schnell abschätzen, wie groß ein Gegenstand sein darf, um ihn noch bildfüllend abzulichten zu können.

Oder umgekehrt, hat man z.B. einen Käfer bildfüllend fotografiert, kann durch Umstellen der Gleichung die wahre Größe des Käfers berechnet werden:

G = B / β.

Mit der hier beschriebenen Makroeinrichtung habe ich eine Aufnahme von Salicylsäure gemacht. Die Säure bekommt man beim freundlichen Apotheker. Früher wurde Salicylsäure wegen ihrer antimikrobiellen Eigenschaften auch zur Konservierung von Lebensmitteln verwendet, das ist aber inzwischen verboten. In der Kosmetik und Medizin findet sie aber Verwendung. Salicylsäure ist Ausgangsstoff für zahlreiche bedeutende chemische Verbindungen. Am bekanntesten ist wohl die Acetylsalicylsäure, besser bekannt als Aspirin. Besonders in amerikanischen Kaugummisorten findet man als Geschmacksstoff Wintergrünöl. Das ist ein Salicylsäuremethylester.

Für das Foto habe ich einige Körnchen Salicylsäure auf einem Objektträger zum Schmelzen gebracht und mit einem zweiten Objektträger abgedeckt, damit sich die Schmelze gut verteilt. Puristen unter den Mikroskopikern werden jetzt die Nase rümpfen. Eigentlich muss man ein Deckgläschen zum Abdecken nehmen, denn gute mikroskopische Objektive sind so korrigiert, dass auch das Deckgläschen einbezogen ist. Wir wollen es hier aber mal nicht so genau nehmen, wir fotografieren hier ja auch nicht durch ein Mikroskop. Wenn man es sehr genau nimmt, muss man bei der Ermittlung des Abbildungsmaßstabes beachten, dass Sucherbild und Sensorbild nicht immer zu 100 % übereinstimmen. Eventuelle Abweichungen findet man im Bedienungshandbuch.

Den bzw. die Objektträger habe ich wie im letzten Beitrag beschrieben zwischen 2 Polarisationsfilter gelegt und mit einer Taschenlampe im Durchlicht bei abgedunkeltem Raum beleuchtet.

Jetzt aber endlich das Foto:

Salicylsäure-Schmelze

Ein Objektträger hat eine Breite von ca. 2,6 cm. Verteilt man die Schmelze auf eine Länge von 3,6 cm, kann man bildfüllend mit einem Objektiv fotografieren, das einen Abbildungsmaßstab von 1 : 1 erreicht. Kein Problem für Makroobjektive.

Aber auch mit einem Weitwinkelobjektiv in Retrostellung kann man diesen Abbildungsmaßstab erreichen, wie wir in meinem nächsten Blogbeitrag sehen werden.

Soviel für heute, liebe Freunde der Mikrokristalle. Das Thema schließe ich in meinem nächsten Beitrag mit Fotos ab, die mit einem 28 mm Weitwinkelobjektiv und einem Umkehrring aufgenommen wurden.

Bis dahin wünsche ich eine gute Zeit.

H-D-S

 

 

 

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Fotografieren farbiger Mikrokristalle im polarisierten Licht ohne Mikroskop

Hallo liebe Freunde der Mikrokristalle.

Angeregt durch eine sehr nette Leserin meines Blogs, möchte ich heute zeigen, wie man wunderschöne, farbige Kristallfotos auch ohne Mikroskop erzeugen kann.

Was benötigen wir? Eine Spiegelreflexkamera oder eine der neuen spiegellosen Systemkameras, idealerweise mit einem Objektiv f. 50 mm bezogen auf Kleinbildformat. Ev. einen Adapter,ein Balgengerät, 2 Polarisationsfilter und eine Lichtquelle.

Hier gleich ein Foto des Aufbaus:

Farbige Kristalle fotografieren im polarisierten Licht.

Farbige Kristalle fotografieren im polarisierten Licht.

Das Kameragehäuse, einer Sony Alpha 7 (Vollformatkamera), habe ich mittels eines Adapters (Sony E-Mount auf m42) mit einem Balgengerät verbunden. Als Objektiv wurde ein 50 mm Domiplan  der Firma Meyer Optik Görlitz verwendet. Nicht die Kamera, sondern das Balgengerät am Stativ befestigen. Ich verwende dazu einen Kugelkopf, er ist auf den Fotos nicht zu sehen. Stativ,Balgengerät und Objektiv sind über 50 Jahre alt. Zwischen 2 Polarisationsfiltern befindet sich der Objektträger mit den Mikrokristallen. Als Lichtquelle diente eine Taschenlampe. Um das Licht etwas zu dämpfen habe ich eine milchige Plastikschachtel zwischen Filtern und Lampe eingefügt. Das Kameragehäuse wurde mit einer Wasserwaage, aufgesteckt auf dem Blitzschuh, ausgerichtet.

Einige wichtige Dinge sind zu beachten:

Verwendet man Zirkularpolarisationsfilter, so müssen sie von der richtigen Seite verwendet werden.

Die Lichtquelle darf keine LED-Lampe sein, weil diese Lampen nur ein sehr enges Lichtwellenspektrum besitzen, man würde keine farbigen Bilder erhalten!

Die Aufnahme muss im abgedunkelten Raum erfolgen.  Zuviel nichtpolarisiertes Nebenlicht schadet dem Polarisationseffekt.

Bei mir sah die Sache dann so aus:

 

Aufnahme im abgedunkelten Raum

Aufnahme im abgedunkelten Raum

 

Das Resultat zeigen die beiden folgenden Aufnahmen:

Schwefelkristalle aus einer Schmelze im polarisierten Lich

Schwefelkristalle aus einer Schmelze,fotografiert im polarisierten Licht

 

Adipinsäure

Adipinsäurekristalle fotografiert im polarisierten Licht

Das alte Balgengerät überträgt natürlich keinerlei Objektiv-Werte an die Kamera. Daher habe ich die Kamera auf manuell gestellt. Sowohl die Blende, also auch die Schärfe wurden von Hand am Objektiv eingestellt. (Mit dem Hoch- und Runterfahren der gesamten Apparatur, und/oder der Variation der Balgenlänge, zunächst grob scharfstellen, dann am Objektiv die Feineinstellung vornehmen). An der Kamera habe ich die Einstellung der ISO-Werte auf automatisch gesetzt und dann die Zeit an der Kamera so gewählt, dass der ISO-Wert 1600 ASA nicht überschritt, um Rauschen zu vermeiden. (Stellt man den ISO-Wert auf automatisch, kann man Blende und Zeit fast beliebig wählen, die Kamera regelt dann die Belichtung über den ISO-Wert. Man muss nur aufpassen, dass der Wert wegen Rauschen nicht zu groß wird). Die Sony A7 hat einen elektronischen Sucher, das Scharfstellen war kein Problem.

Es ist doch interessant und beachtlich, wie gut uralte Gerätschaften mit hochmoderner Technik zusammenarbeiten. Ganz nebenbei: An der Sony Alpha 7 verwende ich mit einem Novoflex Adapter mit großem Spaß meine alten Contax/Yashica-Objektive von Zeiss. Mit diesen alten Objektiven zu fotografieren, ist ein richtiges Vergnügen. Es entschleunigt das Fotografieren gewaltig. Wie schon oft erwähnt, wenn ich Markennamen nenne erfolgt das nicht, weil ich ein Honorar dafür bekomme. Ich bin zum Glück völlig unabhängig in meinem Urteil.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein paar Anregungen geben. Für meine jungen Leser: Schaut doch mal bei Opa auf den Speicher, vielleicht entdeckt ihr dort ein paar noch ungehobene fotografische Schätze. Und dann gib es ja auch noch eBay.

Soviel für heute liebe Freunde der Mikrokristalle,

ich wünsche eine gute Zeit und viel Spaß beim Experimentieren.

H-D-S